| Stalag VI A Thementag |
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| Montag, den 19. Juli 2010 um 09:15 Uhr | |||
Stalag VI A Thementag – erinnern, gedenken, begreifenThementag zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Folgen von Krieg, Gewalt, Flucht, Vertreibung, Terror und FaschismusSachaspekt: Das Hemeraner Kriegsgefangenenlager Stalag VI A Am 14. April 1945 befreiten US-amerikanische Soldaten das im Nazijargon „Mannschaftsstammlager“ (Stalag VI A) genannte Hemeraner Kriegsgefangenenlager. Das im damaligen Reichswehrbezirk VI A gelegene Lager war eines der größten Lager im damaligen „Dritten Reich“. Bis zu 200.000 Gefangene wurden z.T. von hier aus „verwaltet“. Davon waren 160.000 sowjetische Soldaten inhaftiert. Von hier aus wurden Arbeitseinsatzkommandos in das gesamte Ruhgebiet und märkische Sauerland organisiert. Viele Kriegsgefangene in den Außenarbeitskommandos wurden vor Ort an ihren Einsatzstätten untergebracht, so dass nicht alle in Hemer gemeldeten Kriegsgefangenen auch dort einquartiert waren. Das ursprünglich für bis zu 3.000 Häftlinge ausgelegte Lager überschritt ab 1943 diese Zahl bei weitem (ca. 23.000 Häftlinge), was zu katastrophalen Verhältnissen im Lager führte. Viele der Inhaftierten starben an Krankheiten wie Tuberkulose oder an Hunger und Ausgezehrtheit. Ca. 20.000 tote - meist sowjetische - Kriegsgefangene wurden im nahe gelegenen Waldstück „Duloh“ in einem Massengrab verscharrt.
Didaktische Erwägungen Die Stadt Hemer erlangte in der Zeit des Nationalsozialismus aufgrund der Geschichte des Stalag VI A, das später zu einer Kaserne und nach der Konversion im Jahr 2007 zu städtischem Gelände für den Park der Landesgartenschau 2010 umfunktioniert wurde, eine traurige Bedeutung. Diese Tatsache erfordert eine Auseinandersetzung mit der in diesem Zusammenhang stehenden Thematik auf vielen Ebenen. Die Gesamtschule Hemer als ortsansässige weiterführende Schule in städtischer Trägerschaft fühlt sich diesem Sachverhalt verpflichtet und widmet jährlich am 14. April einen ganzen Tag dieser Thematik. Zwei Zielsetzungen sollen durch die (synergetische) Auseinandersetzung erreicht werden:
Fachliche-organisatorische Erwägungen Aufgrund des historischen Themengebiets ist der Thementag an das Fach Gesellschaftslehre gekoppelt. Für jeden Jahrgang gibt es ein übergeordnetes Thema zur inhaltlichen Problematisierung. Die GL-Fachkonferenz bestimmt in jedem Schuljahr, wer aus dem Jahrgangsteam diesen Thementag organisatorisch vorbereitet. Die Durchführung erfolgt vom Klassenlehrerteam bzw. mit Unterstützung der GL-Fachlehrerinnen und –lehrer. Für jeden Jahrgang sind obligatorische Lerninhalte und Materialien vorgesehen:
Jahrgang 5: „Missbraucht und benutzt“ – Die Verletzung von Kinderrechten hier und in der Welt Material: Dokumentations- und Informationsmaterial von Menschenrechtsorganisationen wie z.B. UNICEF, terre des hommes, amnesty international etc. (oder auch Dokumentationsfilme) Dokumente über Lebensläufe von Kindern in benachteiligten Situationen (Materialhefte von Menschenrechtsorganisationen) Lerninhalte: anhand des Materials können z.B. Einzelschicksale von Kindern, die menschenrechtsverletzend missbraucht und benutzt werden mit Hilfe von Steckbriefen analysiert werden. Der Thementag sollte projekt- und handlungsorientiert gestaltet werden, so dass sich die Schülerinnen und Schüler im Rahmen von Aktionen und Projekten in die Lage benachteiligter Kinder hineinversetzen können. Am Ende des Thementages könnte z.B. eine Sammelaktion (Sponsorenlauf o.ä.) von Spenden für caritative Organisationen, die sich um den Schutz von Kindern bemühen, stattfinden. Kooperation: UNICEF, Terre des Hommes, Senait Mehari (ehemalige Kindersoldatin aus Eritrea, die jetzt in Deutschland lebt und Jugendlichen von ihren Erfahrungen als Kindersoldatin berichtet) Organisation: Der Thementag wird durch die im Lehrplan vorgesehene Reihe „Kinder der Welt“ inhaltlich vorbereitet.
Jahrgang 6: „Was Menschen Menschen antun können…“ – Das Stalag VI A Material: „Das Massengrab im Sauerland“ (WDR-Dokumentation über das Hemeraner Kriegsgefangenenlager) Bild- und Textquellen aus dem Stalag Lerninhalte: Kinder und Jugend im Nationalsozialismus Rassenideologie und Menschenbild im Nationalsozialismus Anhand von Portraits inhaftierter Gefangener können die Schülerinnen und Schüler Einzelschicksale analysieren. Kooperation: Verein für Hemeraner Zeitgeschichte, Hans-H. Stopsack, Emil Nensel (als Zeitzeuge) Organisation: 1. Unterrichtseinheit: Inhaltliche Erarbeitung der Thematik anhand von Quellen und Bildmaterial (1.-2. Stunde) 2. Unterrichtseinheit: Besuch außerschulischer Lernorte und Aufteilung des Jahrgangs in 8 Kleingruppen á 15 Schülerinnen und Schüler (4.-6. Stunde): Im Wechsel besuchen jeweils vier Kleingruppen das Massengrab im Waldgebiet „Duloh“ und den „Gedenk- und Informationsraum des Stalag VI A“ auf dem Gelände der Landesgartenschau.
Jahrgang 7: „Gewalt ist keine Lösung“ - Mobbing und gewaltsame Übergriffe in der Schule Material: „Nicht wegsehen – Was tun bei Mobbing?“ Film Lerninhalte: Die Schülerinnen und Schüler sollen durch eine ganztägige Beschäftigung mit dem Thema Mobbing und Gewalt weiter für ein respektvolles Umgehen miteinander sensibilisiert werden. Kooperation: ggf. außerschulische Partner, die zum Thema jugendliche Gewaltprävention arbeiten Organisation: Nach einem gemeinsamen Frühstück findet eine Phase zur Hinführung zum Thema statt: Traumteamerfahrung – Entwicklung von Kriterien für eine funktionierende Gemeinschaft Zur anschließenden Problematisierung wird der Film vorgeführt und Fragen geklärt. Danach folgt die Entwicklung und Besprechung eines Rollenspiels zum Film mit abschließendem Rückblick und Bewertung des Thementages.
Jahrgang 8: „Mechanismen der Macht“ – oder: „das Freundschaft und Zusammenhalt in einer unmenschlichen Zeit“ Material: „Die Kinder aus Nr. 67 – oder: Heil Hitler, ich hätt gern n paar Pferdeäppel“ mehrfach preisgekrönter Film in Anlehnung an Bücher von Lisa Tetzner (Schriftstellerin und NS – Gegnerin) Lerninhalte: Die Schülerinnen und Schüler sollen anhand des Spielfilms die handelnden Charakteren beschreiben und deuten können. Ausgehend von Beobachtungsaufgaben während des Films können sie anschließend in Gruppenarbeit Anstöße zu einem Plenumsgespräch entwickeln. In diesem Stuhlkreis sollen abschließend die Verhaltensweisen der Protagonisten beurteilt und die historische Situation in diesem Zusammenhang verdeutlicht werden. Kooperation: Organisation: Thematische Einführung (30 Minuten) Erläuterung der Beobachtungsaufgaben und sequenzielle Vorführung des Films (ca. 2 Stunden) Vorstellen der Gruppenergebnisse zur Charakterisierung der Antagonisten und Erarbeitung von Fragen für das Plenum Plenum: Vorstellen der Ergebnisse und Diskussion, Beurteilung der Verhaltens und Verdeutlichen des historischen Kontextes
Jahrgang 9: Unmenschlichkeiten im 2. Weltkrieg exemplarisch erarbeitet anhand der Ereignisse um die Reichspogromnacht (Arbeitstitel)
Jahrgang 10: Widerstand im Nationalsozialismus (Arbeitstitel)
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