Neuner auf den Spuren des Nationalsozialismus

„Stark für Menschenrechte“ – das war auch dieses Jahr die Devise des Thementages an der Gesamtschule Hemer. Der neunte Jahrgang erhielt dabei für dessen eigenen Schwerpunkt einen ganz besonderen Besuch: Oberstaatsanwalt Andreas Brendel.

Eine solche Gelegenheit erhält man als Schüler selten, selten kann man sich aus erster Hand durch einen Oberstaatsanwalt erzählen lassen, weshalb und wie Gräueltaten der Nationalsozialisten auch heute noch rechtlich verfolgt werden. Vor allem in den letzten Jahren kriegt man in der Allgemeinheit davon mit, dass älteste Senioren noch für Taten zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges angeklagt werden – aber warum eigentlich?

Als Leiter der Zentralstelle für die Bearbeitung nationalsozialistischer Verbrechen bei der Staatsanwaltschaft in Dortmund konnte Herr Brendel den Schülerinnen und Schülern sowohl einen Eindruck über seine Arbeit als Staatsanwalt, aber auch über die „moralischen Verpflichtungen“, die dieser Tätigkeit zugrunde liegen, vermitteln. Es sei sehr wichtig, dass Täter des Nationalsozialismus auch etliche Jahre später zur Verantwortung gezogen werden, sofern eine Schuld nachweisbar ist. Denn, das lernten die Neuntklässler, es gibt keine obere Altersgrenze zur Verfolgung einer Straftat, und auch beispielsweise die Beihilfe zum Mord verjährt nicht einfach.

Die betreffenden Menschen mit ihren vergangenen Taten zu konfrontieren bringe allerdings häufig Schwierigkeiten mit sich. Viele reden sich in eine Scheinwelt hinein, verdrängen die Zeit um 1940, erzählte Brendel. Lange Sitzungen vor Gericht seien oftmals aufgrund mit gesundheitlichen Einschränkungen einhergehender verringerter Verhandlungsfähigkeit nicht möglich, sie können oft nur stundenweise vorgenommen werden.

Die Schülerschaft zeigte sich interessiert an den Schilderungen Brendels und einige Neuner führten noch nach seinem Vortrag kurze Gespräche mit ihm.

Auch in anderen Jahrgängen ist das Thema „Stark für Menschenrechte“ behandelt worden, jeweils mit den Schwerpunkten Kinderrechte der UN von 1948, Kriegsgefangenenlager Stalag VI a, der Film „Die Welle“, Mobbing, Judenverfolgung, Extremismus und den politischen Kontext.

Julian Siegfried

Auf den Spuren der Juden in Hemer – Thementag 2014

Wir veröffentlichen hier den Artikel aus der WAZ vom 8.5.2014 von Carmen Fürstenau.

Foto: Carmen FürstenauHemer. 460 Kinder und Jugendliche der Gesamtschule waren am Donnerstag auf den Beinen, um sich unter dem Titel „Stark für Menschenrechte“ beim Thementag zu informieren und auch zu engagieren.Der Thementag an der Gesamtschule findet seit der Eröffnung der Schule im Jahr 2009 statt, um ausgehend vom Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag VI A am 14. April 1945 auf das Schicksal der Menschen aufmerksam zu machen, die auch in der heutigen Zeit noch unter den Folgen von Krieg und Vertreibung leiden. Der 14. April lag in diesem Jahr in den Ferien, statt dessen hat die Schule den 8. Mai (Tag der Kapitulation 1945) genutzt.

In den verschiedenen Jahrgängen haben sich die Kinder und Jugendlichen von unterschiedlichen Seiten mit dem Thema beschäftigt. So waren in der Jahrgangsstufe 5 die Kindersoldaten in Kambodscha das Thema, das aufwühlte. In der Jahrgangstufe 6 hieß es „Was Menschen Menschen antun können“. Hier hat die Schule mit dem Verein für Hemeraner Zeitgeschichte kooperiert und den Stalag-Gedenkraum besucht.

In der Jahrgangsstufe 7 ging es um Mobbing und gewaltsame Übergriffe in der Schule. Die Schüler sahen unter anderem einen Film. „Hier sollte für einen respektvollen Umgang miteinander geworben werden“, so Kai Hartmann, Fachgruppenvorsitzender des Faches Gesellschaftslehre. In der Stufe 8 sahen die Jugendlichen den Film „Die Welle“ und konnten so faschistische Strukturen nachempfinden.

Mit dem Leben der Juden in Hemer beschäftigte sich die Stufe 9. Morgens stand der gemeinsame Besuch des jüdischen Friedhofes auf dem Programm, und eine der ersten Fragen lautete, warum der Friedhof nicht ausgeschildert sei. Mit einer Kopfbedeckung ging es auf den Friedhof, wo Steine niedergelegt wurden.

Zudem wurde eine Gedenkminute abgehalten und unter anderem das Lied „Sag mir, wo die Blumen sind“ gesungen. Auf einer Karte haben sich die Schülerinnen und Schüler genau angesehen, wo jüdische Familien gelebt haben oder wo ihre Geschäfte waren. „Alle haben sich sehr engagiert“, lobte Kai Hartmann.

(Carmen Fürstenau, IKZ)